Kleines Juwel PDF Drucken E-Mail

Der Jungjournalist und Texter Mario Wittenwiler hat den STW bei der diesjährigen Academy For Young Journalists vertreten, die vom Weltverband der Reisejournalisten FIJET in Slowenien stattgefunden hat.Während einre Woche wurden die jungen Talente im Schreiben instruiert, daneben bereisten sie ganz Slowenien sowie die Nachbarregionen. Lesen Sie, was Mario Wittenwiler daraus gemacht hat.

 

Kleines Juwel


In Slowenien findet man auf 20’00 Quadratmetern – der Hälfte der Fläche der Schweiz – ein reiches europäisches Erbe an der Schnittstelle zwischen slawischer, deutscher und romanischer Kultur. Die Offenheit der Slowenen bereitet dem Besucher einen warmen Empfang. Als Ausgangspunkt für diverse Exkursionen bietet sich der Kurort Bled im Nordwesten des Landes an: Ein Ort mit Schweizer Vergangenheit.

VON MARIO WITTENWILER

„Spreche ich mit Kollegen über Slowenien, überbietet sich jeder mit Liebesbekundungen“, hörte man kürzlich einen Schweizer Diplomaten sagen. Von allen neueren EU-Ländern hat das kleine Land am nördlichen Rand des ehemaligen Jugoslawiens die bemerkenswerteste Entwicklung durchgemacht. Slowenien hat heute eine gemischte, teilweise lokal ausgerichtete Wirtschaft, die zwischen Primär und Sekundärsektor, Dienstleistungen und Fremdenverkehr relativ ausgewogen ist. Das Pro-Kopf-Einkommen der Slowenen liegt bereits im europäischen Mittelfeld. Slowenien bemüht sich um nachhaltigen und grün ausgerichteten Tourismus. Dabei werden zum Teil auch spektakuläre Aktionen bedient: Im April dieses Jahres beteiligten sich mehr als 250'000 Slowenen freiwillig am „nationalen Putztag“ und der Säuberung des Landes von Müll. Zum Vergleich: stelle man sich vor, dass zwei Mal die Zahl der Besucher der Streetparade statt Abfall verursachten, gemeinsam Waldgebiete in der Schweiz aufräumten. Die Folge wäre ein Stau in unseren Wäldern! Slowenien kann hier auf ganz andere Reserven zurückgreifen: Unglaubliche 60 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt. In Europa übertreffen nur Finnland und Schweden diesen Wert. Trotzdem findet man in Slowenien längst nicht nur unberührte Wälder sondern auf kleinstem Raum Berge, Meer und traditionsreiche Städte.

Pulsierende Hauptstadt

Die Hauptstadt Ljubljana (Deutsch Laibach) mit rund 280'000 Einwohnern versprüht einen lebhaften und jugendlichen Charme. Insgesamt 50'000 Studenten sorgen für ein pulsierendes Stadtleben. Ljubljana; das ist die Gemütlichkeit von Bern gepaart mit der wirtschaftlichen Power von Zürich. Während im verkehrsfreien Stadtzentrum Flanieren oder der Besuch eines der vielen Strassencafés angesagt sind, befindet sich am Stadtrand mit dem BTC Einkaufszentrum (Blagovno Trgovski Center) eine der grössten Shoppingmalls in ganz Europa. Trotz des gestiegenen Tourismus wird man als Fremder von den Einheimischen noch immer mit einer gewissen Euphorie empfangen, gibt man sich als Westeuropäer zu erkennen. Viele Slowenen sind stolz auf ihr junges Land und sprechen sehr gut Englisch. Im Norden des Landes wird auch oft Deutsch gesprochen, im Küstengebiet Italienisch.
Das Herz von Ljubljana bildet der Platz Presernov trg. Als Zugang über den Fluss Ljubljanica dienen die Drei Brücken (Tromostovje) des weltbekannten einheimischen Architekten Josef Plecnik. Wie von fast der ganzen Stadt sieht man von hier die Burg von Ljubljana (Ljubljanski grad), das Wahrzeichen der Stadt und eine beliebte Touristenattraktion. Vom Burghügel geniesst man eine wunderbare Sicht über das gesamte Stadtgebiet. Ljubljana beherbergt eine Reihe von Museen und mit dem Metelkova ein Zentrum für alternative Politik und Kultur von regionaler Ausstrahlung. Weltruhm in der Neuzeit erlangte die in den 80er Jahren in der Hauptstadt gegründete Musik-Band „Laibach“. Als Teil des Künstler-Kollektivs „NSK“ (Neue Slowenische Kunst) provozierte die Gruppe um den charismatischen Sänger Milan Fras mit Electro-Sound und der bewusst zweideutigen Verwendung von Nazi- und Kommunismus-Symbolen. In diesem Frühjahr widmete das International Center of Graphic Arts (Mednarodni graficni likovni center MGLC) der Band zu ihrem 30-jährigen Bestehen eine grosse Ausstellung.

Kurort mit Schweizer Prägung

Nur gerade eine halbe Stunde von der Hauptstadt entfernt befindet sich Bled, einer der bekanntesten touristischen Orte Sloweniens. Im Museum im Burgschloss erfährt man die Geschichte von Bled seit den ersten Siedlern. Weltbekannt ist die Insel im Bleder See mit der Marienkirche und ihrer berühmten Wunschglocke. Zur Insel gelangt man mit einer „Pletna“, dem traditionellen offenen Holzboot. Ähnlich der Gondola in Venedig wird sie von einem kräftigen Mann am Ruder geführt. Seinen Anfang als Kurort nahm Bled durch den Schweizer Arnold Rikli aus Wangen im Oberaargau. Während sich Rikli selbst als „hygienischer Arzt“ bezeichnet, wurde er von Anhängern „Sonnendoktor“ genannt. Geboren am 23. Februar 1823 in Wangen an der Aare besuchte Rikli weder eine Hochschule noch studierte er Naturwissenschaften. Trotzdem siedelte er 1854, nach einigen unglücklichen Jahren in der familieneigenen Färberei, nach Bled um, um hier seine in der Schweiz weitgehend unbekannten Ideen einer „Atmosphärische Kur“ zu propagieren. Rikli war ein konsequenter Gegner der Schulmedizin. Das wichtigste universale Mittel für die Gesundheit bestand seiner Meinung nach in der Anwendung von Reizen, durch Kälte und Wärme, die abwechselnd stimulieren und beruhigen sollten. Das Motto der Riklischen Kur lautete: „Wasser tut freilich, alles doch nicht, höher die Luft steht, am höchsten das Licht“. Am Seeufer stellte man zu seinen Ehren eine Statue von ihm auf. Jährlich im Juli erinnern die „Rikli-Tage“ mit Volksmusik und einem Lichtfest auf dem See an den Schweizer. Weiter gibt es in Bled ein Rikli-Restaurant und eine Rikli-Pizzeria, in der man sich unter anderem einen Rikli-Salat oder eine Rikli-Pizza bestellen kann.

Beliebter Sport- und Kongressort

In den vergangenen Jahren hat sich in Bled neben dem Gesundheitstourismus auch der Sporttourismus entwickelt. Im Sommer kann man Bergwandern, Mountainbiken oder Rudern: Der Bleder See ist eine bekannte Regattastrecke für Wassersportler. 2011 werden hier die Ruder-Weltmeisterschaften stattfinden. Für die Einzigartigkeit des Ortes spricht auch, dass Marschall Tito, der langjährige Präsident Jugoslawiens, jeweils seine Sommerferien in Bled verbrachte. Seine Residenz ist heute ein Luxushotel. Eine riesige kommunistische Wandmalerei erinnert an den ehemaligen Politiker als Hausherrn. Bled ist heute auch beliebt als Kongressort. Die hier ansässige IDEC Bled School of Management gilt als eine der besten Ausbildungsstätten für Verantwortungsträger in ganz Europa. Nahe der Stadt befindet sich der Sport-Flugplatz Lesce, der internationale Flughafen Ljubljana-Brnik ist nur 35 Kilometer entfernt. In gar nur 10 Minuten erreicht man den Ort Begunje, wo die Familie von Slavko Avsenik, der Legende der Oberkrainer-Volksmusik, ein Restaurant betreibt. Für die musikalische Unterhaltung sorgt inzwischen sein Enkel Sasa. In Begunje befindet sich auch die Produktionsstätte der Skimarke Elan. 1100 Mitarbeiter stellen hier jährlich über eine halbe Million Paar Ski her. In Distanz für einen Tagesausflug erreicht man von Bled auch die Postojna-Grotte im Südwesten des Landes und den Triglav Nationalpark mit dem höchsten Berg der Julischen Alpen; dem 2864 Meter über Meer gelegenen Triglav (Deutsch: Dreikopf). Der Triglav ist ein slowenisches Nationalsymbol und zentraler Teil des nationalen Wappens. Nach einem alten Brauch soll ihn jeder Slowene mindestens einmal im Leben besteigen.


Informationen:

http://www.slovenia.info/?lng=3
http://www.visitljubljana.si/de/
http://www.mglc-lj.si/eng/index.htm
http://www.laibach.nsk.si/
http://www.bled.si/de

 

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